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Student aus Niedersachsen entwickelt und baut erdbebensichere Häuser

Erdbeben in NepalNach den verheerenden Erdbeben, welche Ende April / Anfang Mai 2015 unter anderem die Republik Nepal heimsuchten, entwickelte der Niedersächsische Architekturstudent Jan Warsawa ein erdbebensicheres Haus. Er selbst war gerade erst aus Nepal zurückgekommen, als die Beben das Land erschütterten. Er war in Nepal gewesen, um ein Schulzentrum aufzubauen. Nun engagiert er sich für neue Bauprojekte in allen von Erbeben geplagten Regionen der Erde – und das mit einer selbstentwickelten Bauweise.

Mit fast runden Häusern gegen Achsenkräfte

Da sich rechtwinklig aneinander stehende Wände bei einem Erdbeben gegenseitig in ihren Achsen verschieben, wie es Jan Warsawa in einer NDR-Reportage beschreibt, hat er in der entsprechenden Fachlektüre sowie mithilfe der Professoren seiner Hochschule nach einer Lösung für erdbebensichere Häuser gesucht. Dabei wollte er nicht unbedingt innovative Techniken und architektonische Mechanismen entwickeln, sondern ein Haus, das bestenfalls von den Einheimischen selbst und mit dem vorhandenen Baumaterial errichtet werden kann.

Die Lösung für das Problem mit den Wänden: ein 90-Grad-Winkel wird abgestumpft und zu zwei 45-Grad-Winkeln umgewandelt. Ein Raum bzw. ein kleines Haus, das vorher also vier Ecken hatte, hat damit acht Ecken. Dies sorgt dafür, dass die Wände sich bei einem Erdbeben nicht mehr so stark gegenseitig beeinflussen, sondern dass sie miteinander wirken. Auch die Dachkonstruktion wurde für die erbebensicheren Bauten neu strukturiert.

So schließen die gemauerten Wände, die einem Kreis nahekommen sollen, oben mit einem Ringanker aus Holz ab – allerdings werden sie nicht mit Dachbalken und dergleichen verankert, sondern mit einer freistehenden Dachkonstruktion. Diese besteht beim aktuellen Modell aus leichten Holzlatten und Wellblech-Platten. Im Falle eines Erdbebens kann also auch ein einstürzendes Dach nicht mehr zur Gefahr werden. Alles in allem ein durchdachtes Projekt.

Ein Prototyp und die Verbreitung der Bauweise

In Schöningen, der Heimatstadt von Jan Warsawa, welche sich in der Nähe der niedersächsischen Kreisstadt Helmstedt befindet, wurde ein Prototyp des erdbebensicheren Hauses errichtet. Es steht auf dem Gelände des Paläon-Erlebniszentrums. Das Projekt trägt den Namen Reco Fix. Der Bau des Prototypen (Dezember 2015 bis Januar 2016) wurde dokumentiert und ist sowohl auf Facebook als auch bei Instagram nachvollziehbar.

Das Ziel der Dokumentation des Baus ist aber nicht nur die Selbstdarstellung und vielleicht auch die Gewinnung von Sponsoren, sondern eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in Bild- und Video-Form, welche dafür sorgt, dass sich die Bauweise als Selbstläufer verbreitet. Da die erbebensicheren Hütten theoretisch überall und von jedermann gebaut werden können, muss kein fremder Architekt in die entsprechend gefährdeten Regionen der Erde reisen und die Häuser bauen.

Ein Haus mit vielen Stärken: doch keine 100-prozentige Sicherheit

Neben dem Studenten, der Fachliteratur und den Professoren der Uni, auf die Jan Warsawa geht, war an dem Projekt auch eine Statikerin beteiligt. Das heißt, dass der Prototyp sowie die darauf aufbauenden Gebäude sehr sicher sein sollten. Wie Prof. Claus Dießenbacher, der Betreuer der Semesterarbeit Jan Warsawas, zu der das erdbebensichere Haus gehört, sagte, gibt es allerdings keine zu 100 Prozent erdbebensicheren Häuser. Je nach Stärke des Bebens fällt natürlich jedes Haus auf kurz oder lang.

Allerdings, so muss auch der Professor zugeben, ist das Haus, das von seinem Studenten entworfen wurde, „relativ erdbebenresistent“. Außerdem liegen die Stärken des Gebäudes im schnellen Aufbau, den einfachen und bautechnisch nicht extravaganten Mitteln sowie in der niedrigen Gefährlichkeit im Falle eines Einsturzes. Zum letzten Punkt trägt auch die oben beschriebene Dachkonstruktion bei.

Daten und Erfahrungen werden gesammelt

Direkt angewendet hat Jan Warsawa seine Erfahrungen und Erkenntnisse in der Zwischenzeit schon in Guatemala, wo er gemeinsam mit den Einheimischen eine Wasseraufbereitungsanlage errichtete. Die weiteren Ziele des Studenten sind ambitioniert: sein Design soll in weitere Länder gebracht und die Gebäude dann auf lange Zeit getestet werden. Daten sollen gesammelt und ausgewertet werden, um mithilfe einer Langzeitstudie eine Weiterentwicklung seines Entwurfs und die Erdbebenforschung voranzutreiben.

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